Feliz Navidad, Prospero Ano y Felicidad :D

Fröhliche Weihnachten und alles Liebe erst einmal :) Wie und wo verbringt ihr Heiligabend dieses Jahr so? Schon komisch sich vorzustellen, dass ihr jetzt schon fast unterm Tannenbaum “Stille Nacht” trällert… Stattdessen komme ich gerade von meiner 3. Surfstunde (eine gute Welle hatte ich :P ) Heute Morgen, nach dem gemeinsamen Weihnachtsfrühstück fragte Jhonny spontan, ob ich nicht Lust hätte und das war definitiv die beste Entscheidung für heute :P obwohl ich doch noch ein bisschen müde von den vergangenen Tagen bin. Gestern hab ich meine kleine Weihnachtsfeier für die beiden Häuser San Bartolo und Casa Veronica ausgerichtet: Nachdem wir wie üblich stundenlang auf Lucys Eintreffen gewartet haben, gabs erstmal “Pollo al Horno” also Hühnchen aus dem Ofen mit selbst gemachtem Apfelmus und Reis. Danach wurde das traditionelle Panetón mit heißer Schokolade serviert. Und natürlich wanderten die versammelten Kinderäuglein mehr als 3 mal die Minute hinüber zum Geschenkeberg unterm Plastikweihnachtsbaum (vor 2 Wochen war ich mit Irma in Lima um die Weihnachtseinkäufe zu machen und eigentlich dachte ich an ein echtes, hübsches Bäumchen, aber da die ja importiert werden müssen sind die schweineteuer und werden eigentlich fast gar nicht verkauft…) Jedoch wollte ich die Meute noch etwas zappeln lassen und hab erst mal die Plätzchen,  Schokopralinen und Eis aus Erdberen und Papaya, die ich die letzten zwei Tage in meiner Hexenküche gezaubert hab, verteilt. Sonst wär der Abend ja schon um 8 Uhr vorbei gewesen :P Schließlich jedoch wars endlich so weit und es ging ans Aufreißen der Geschenke! Vier Tage hatte ich insgesamt in Lima verbracht um alles zu besorgen. Für die Kinder und Jugendlichen hab ich jeweils T-Shirts sowie ne Kleinigkeit wie beispielsweise Schampoo oder Unterwäsche gekauft (alles Mangelware :D ) und für die Mitarbeiter Weihnachtstassen mit Plätzchen und Pralinen befüllt. Es war so schön die Kinder alle glücklich zu sehen. Ihr könnt euch das vielleicht nicht vorstellen, aber beim Puls lang mindestens bei 180 ^^ Als Nicole jedoch ihr Fahrrad auspacken durfte, wars fast um mich geschehen. Erst hatte ich Zweifel, ob ich da nen Unterschied zwischen den Kindern machen kann oder nicht, aber sie ist ja schließlich mein Patenkind… und in dem Moment ihre Freude zu sehen, war unbezahlbar (mir ist sogar ein bisschen schwindelig geworden vor Glück :) Naja… heute Abend wird auch nochmal besinnlich gefeiert, aber diesmal mit weniger Leuten, da einige Kinder zu ihren Familien fahren! Mit einem lachenden, einem weinenden Auge und insgesamt 6 Stunden Verspätung erwarte ich nun selbst den Heiligen Abend!! Ich wünsche euch allen besinnliche Festtage und einen guten Rutsch ins neue Jahr! Liebste Grüße :D Sarah

PS hab letztens übrigens mein erstes Erdbeben gespürt… ich dachte echt mein Bette schwimme im Meer so sehr hats geschaukelt :P

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verschollen :P

Hi Leute — ja ja ich weiß ist schon etwas länger her, dass ich geschrieben hab. Konnte mich irgendwie nicht überwinden nen neuen Artikel anzufangen und weiß eigentlich immer noch nicht recht wo ich anfangen soll zu erzählen, weil so viel passiert ist… aber jetzt schreib ich wenigstens mal ein bisschen ok?

Also zu aller erst einmal freudige Nachrichten: hab letzte Woche ne Patenschaft übernommen :) Nicole (mein Patenkind), Miguel Angel, Josue, Jean Pierre und Ereni wurden in der katholischen Kirche hier in San Bartolo im Rahmen einer intimen kleinen Feier getauft… obwohl das ja schon ne gewisse Verantwortung ist, bin ich wirklich froh, den Schritt gewagt zu haben, denn Nicole ist hier im Haus etwas isoliert – als einziges Mädchen in ihrem Alter… Jetzt hab ich ne Ausrede ihr ab und zu außer der Reihe mal was gutes zu tun :P Vorgestern beispielsweise hab ich sie und Miguel Angel mit nach Lurin genommen, weil ich eigentlich noch ein paar Besorgungen machen wollte. Ihr hättet mal sehen sollen wie groß die kleinen Äuglein da geworden sind :D nen gemeinsames Abendessen, nen Spielzeugauto und ne Runde Trampolinspringen und die Welt ist schon fast perfekt… Nur den kleinen Welpen hab ich Böse nicht gekauft :D

Morgen steht die große GENERACION-Weihnachtsfeier für alle Straßenkinder an – wir rechnen mit knapp 500 Leuten :O aber ansonsten ist die Weihnachtsstimmung noch nicht wirklich bei mir angekommen… naja ein kleines bisschen vielleicht – Big und ich sind letzte Woche nach Lima gefahren um ein paar letzte Besorgungen für die Weihnachtsfeier, die ich am 23. hier in San Bartolo plane, zu machen und endlich einen Weihnachtsbaum für das Haus zu kaufen… Was leider ausverkauft scheint sind wunderschöner glitzernder Schnee und Eiskristalle :( das machts irgendwie sehr unweihnachtlich… und dann kann ich noch nicht mal die Adventssonntage mit meiner Familie vorm Kaminfeuer verbringen – hach :P

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Apoyando

Also verfasst hab ich den Artikel eigentlich schon am Donnerstag, den 20. Oktober, bin allerdings immer wieder darüber hinweg gekommen, ihn dann auch noch ab zu tippen… Demnach aus der Vergangenheit:

Meine lieben Freunde daheim,

die vergangene Woche widmeten wir der Aufklärung und Vertretung der Rechte der “Pirañas”.

Alles begann am letzten Mittwoch (12.10.11): Mit nur ein wenig Verspätung ;) stießen einige der San Bartolo-Jugendlichen, Shane und ich im Regierungsviertel im Zentrum Limas auf die Generación-Gruppe, um gemeinsam am Marcha por el CAMBIO (Marsch für Veränderung) teilzunehmen und unsere Stimme für diejenigen zu erheben, die am Rande der Gesellschaft keine besitzen. Der überaus euphorische, jedoch überraschend friedliche und respektvolle Marsch der Wähler Ollanta Humalas, dem seit dem 28. Juli 2011 amtierenden Präsidenten (Partei Gana Perú), galt der Unterstützung ihres Präsidenten, aber auch der Erinnerung an die Erfüllung seiner Wahlversprechen, der Förderung des sozialen Wandels und dem Kampf gegen die Korruption im Land. Ollanta wird von seinen Anhängern, zu welchen sich auch die Kinder, Jugendlichen und Mitarbeiter Generacións zählen, auch als der Präsident der Armen beziehungsweise des Volkes bezeichnet, da Ollanta mehr oder weniger der einzige ist, der auch die Rechte der Straßenkinder und sozial Benachteiligten fördert.

Am Freitagabend (14.10.11), nach einem langen Tag im Freizeitpark, in den ich Ereni, Andres und Moisés (anstelle von Miguel Angel, weil der schon wieder Sch… gebaut und Jhonnys Mp3-Player verkauft hat) für einen Schulausflug begleitete, machten Jhonny, Isaac und ich uns auf den Weg ins Iquitos – dem Rotlichtviertel Limas, oberhalb der Avenia Express Grau – um die Generación Kampagne gegen die sexuelle Ausbeutung von Mädchen und Jungen zu unterstützen. Bewaffnet mit Narrenkappen, Plakaten und Flyern sprachen wir die Leute auf der Straße an, um das Gesetz zur Bestrafung (zw. 4 und 6 Jahren) der “Klienten” beziehungsweise Missbrauchstäter zu promovieren. Die Situation der Kinder und Jugendlichen ist sehr problematisch:

  • Sex vor der eigentlichen körperlichen Reife…
  • können nicht zur Schule gehen und haben daher auch keine beziehungsweise kaum Zukunftschancen…
  • um der Realität zu entfliehen begeben sie sich in die Abhängigkeit von Betäubungsmitteln — Drogen wie beispielsweise das Terokal (Klebstoff den sie in gewöhnlichen Plastiktüten/ -flaschen inhalieren), welches auf der Straße günstiger als Essen angeboten wird!…
  • außerdem sind sie dem Kontakt mit Geschlechtskrankheiten wie AIDS restlos ausgeliefert…
  • sie tragen schwere Schäden der physischen und psychischen Gesundheit durch den körperlichen, emotionalen und sexuellen Missbrauch davon…
  • oftmals verschwinden sie einfach oder werden tot aufgefunden…
  • mitunter findet nicht selten ein Bruch mit der Familie statt, sodass jedweder Rückhalt fehlt und das Gefühl ausgestoßen, allein und unerwünscht zu sein noch intensiviert wird…

Der krönende Abschluss der Woche, aber auch der harten Proben in den letzten Wochen, ereignete sich in den gestrigen Präsentationen des Theaterstücks “Nana de la Calle”, in welchem die Kids aus San Bartolo, Pucusana, aber auch von der Straße uns von ihren Lebenserfahrungen auf der Straße berichtet haben. In einer Kombination aus Folklore und Rap illustrierten sie wie sie auf der Straße gelandet sind, gelebt, gearbeitet, geraubt und gelitten haben und welchen Einfluss das Terokal und andere Drogen hatten; allerdings auch wie sie mithilfe von Generación entkommen konnten. Ihre Geschichten fesselten und rührten das Publikum und boten eine Annährung an ihre isolierte Welt am Rande der Gesellschaft.

Das war auch schon das wichtigste aus der vorigen Woche — nun zu dem seither Geschehenen :D Am Dienstag (25.10.11) waren wir zur Buchvorstellung über den “Comercio sexual” und die “Explotation sexual infantil” eingeladen. Der kolumbianischer Uni-Professor Misael … hatte nach langer Forschung in sämtlichen Ländern und nach zahlreichen Interviews seine Ergebnisse in einem soziologischen Werk zusammengefasst und eröffnet, so nahe an der Realität berichtend, uns ein Tor zu dieser fremden, unheimlichen, zwielichtigen Welt! Wenn ich mehr gelesen und Lust hab, schreib ich vielleicht mal ein bisschen was zu dem Thema… Naja – man könnte jetzt sagen, dass ich so nen Buch auch in Deutschland lesen kann… Wo sind da die eigenen Erfahrungen? Nicht so ungeduldig – meine persönlichen Highlights der letzten 2 Wochen waren die Besuche der Straßenkinder und -jugendlichen im Zentrum Lima.

Nach der neu eingeführten mittwöchlichen Freiwilligen-Reunion, bei welcher Juan Enrique Bazán, der Ehemann von Sra. Lucy, über die Rolle des Kollaborateurs und die einschlägigen Prinzipien der Arbeit mit den Pirañas (…) referiert, damit wir Ehrenamtlichen im täglichen Umgang mit den Kreaturen, wie er sie immer liebevoll nennt, auf eine psychologische, soziologische Grundlage zurückgreifen können :) (sehr hilfreich und unheimlich spannend) — ups jetzt bin ich abgeschwiffen :P Nach der Reunion am 26.10. jedenfalls bin ich mit Jhonny, Klea und Isreal ins Iquitosviertel und zur “La piedra” begeben, um bei der Registrierung der Mädchen und Jungen zu helfen. Um ihnen zu einem Ausweis und einer Sozialversicherung, auf die sie Anspruch haben, um im Krankenhaus beispielsweise kostenlos behandelt zu werden, zu verhelfen, versuchten wir so viele Kontakte wie möglich zu notieren. Die Konfrontation mit dem wahren Gesicht Limas, der Armut, dem Müll, dem Zwielicht und der Verzweiflung, war, obwohl immer noch erschütternd, glücklicherweise nicht mehr ganz so – wie soll ichs sagen… vielleicht abstoßend? wie das letzte Mal!! Ich hab mich im Umgang mit den Straßenkindern sogar ehrlich wohl gefühlt… Er war zwar alles immer noch neu und irgendwie traumhaft-fesselnd, aber hat stattdessen eher eine Anziehung auf mich ausgeübt… so dass ich gleich am nächsten Abend (27.10.) wieder mit Jhonny diesmal ins Barrio Chino gefahren bin, um dort jemanden zu finden, der uns über die aktuellen nächtlichen Treffpunkte informieren kann und sind sogleich auf Muerto gestoßen, der seinem Namen wirklich alle ehre macht und mit seiner eingefallenen, kläglichen Gestalt wunderbar mit seiner Umgebung verschmolzen ist :P Im Gegenzug hab ich ihm sein Abendessen gekauft. Da wir bis zur “Leche” um 22 Uhr (ursprünglich dem Zeitpunkt, an dem Essen oder eben Milch durch irgendeine kirchliche Organisation verteilt wurde – heute der ein allgemeiner Treffpunkt zum gemeinsamen Chillen, Quatschen, Terokal Konsumieren…) noch knapp ne Stunde Zeit hatten, hat Jhonny mich durch “sein (ehemaliges) Viertel” geführt und mir sein Leben auf der Straße näher erklärt… wie er sich zum Beispiel mit seinen Freunden vor ein kleines Kino gesetzt und auf die Möglichkeit gewartet hat, die Besucher um ihr restliches Popcorn zu bringen ;) – wie sie gemeinsam durch die Straße gezogen sind, um die Leute zu ärgern und gegebenenfalls um ihre Wertsachen zu bringen —- bei jener Gelegenheit hab ich ihr gefragt, ob er sich denn dann nicht wundert, warum die Gesellschaft auf die Pirañas  hinabschaut und seine ein wenig trotzige Antwort hat mich auf der einen Seite unerwartet erwischt, auf der anderen aber nicht wirklich überrascht: Wenn die Leute sowieso von uns erwarten, dass wir kleine, dreckige Diebe sind und uns als solche disrespektieren, warum sollen wir diese Erwartungen nicht erfüllen – der Unterschied ist nicht mehr so signifikant oder? Und ich kann verstehen (iiiiiiiihhhhhhh… sitze gerade auf der Promenade vor meiner Haustür, schau aufs mehr, Musik in den Ohren, nach einem ausgiebigen, eineinhalb Stunden Lauf ein wenig frierend und seh unter mir eine knapp 2,5 cm große Cucaracha in meinem Augenwinkel krabbeln :P ) — Naja jedenfalls haben wir uns später dazu gesellt, neue Bekanntschaften gemacht, bekannte Gesichter aus dem Dormitorium im Rimac wieder getroffen, gequatscht, Fotos gemacht bis wir viel zu früh und reichlich überstürzt aufbrechen mussten, um den letzten Micro nach Hause zu erwischen. In der Nacht hatten wir auch noch Glück, doch vorgestern (Dienstag, der 01.11.) nach unserem Leche-Besuch in Santa Teresa, waren Jhonny, Jeffri, die beiden Amis und ich mehr oder weniger in Lima gestrandet, weil es kein Bus mehr gab :O nach 2 Stunden warten und hoffen, entschlossen wir uns letztendlich doch ein für peruanische Verhältnisse eher teures Taxi zu nehmen. Außerdem hatten wir noch ein Doris, ein fünfzehn jähriges Mädel dabei. Ursprünglich sollte sie in Pucusana Unterschlupf finden, war dann aber mit ihrer Freundin wieder auf die Straße abgehauen. Doch an jenem Abend sprach sie mich an, dass sie wieder zurück wolle :) naja, jetzt wars aber so spät, dass wir kurzerhand entschieden haben, dass sie bei mir mit im Bett schläft – und alle waren wieder glücklich :P Friede, Freude, Eierkuchen – nein, Quatsch, Spaß bei Seite!! Aber irgendwie haben mir dir Kontakte mit den Jugendlichen auf der Straße wirklich gut getan, denn die letzte Zeit war wirklich nicht ganz so rosarot, wie es vielleicht klingen mag…

Für eine ein paar Tage plagten mich gewisse Zweifel meine Arbeit hier betreffend… Deshalb hab ich auch längere Zeit nichts von mir hören lassen!

Alles Begann mit einem fiesen “Streit” mit Ereni: Am Tag zuvor hatte ich Zutaten für einen Apfelkuchen gekauft, weil mir der vom Vorvortag leicht verbrannt war und ich mein Glück nochmal versuchen wollte… Jedenfalls seh ich Ereni morgens mit einem eben dieser Äpfel und frag sie, obs ihrer ist. Ganz dreist lügt sie mir ins Gesicht und beschimpft mich, ich würd doch sowieso glauben, dass sie und alle anderen nur kleine Diebe wären und so weiter… aber halt im Vokabular der Straße… naja jedenfalls hat mich das ziemlich getroffen (auch wenns sich ziemlich blöd anhört – wegen ein paar blöden Äpfeln) und ich zog mich erst mal ans Kreuz, dem Aussichts- und meinem Rückzugspunkt, zurück, um in Ruhe nachdenken zu können… jedoch ließ mich diese innere Unruhe, auch nachdem Ereni sich am nächsten Tag ganz lieb entschuldigt hat, nicht mehr los :( Heimweh, der einfache, in dem Moment unerfüllte Wunsch von den Kids akzeptiert, respektiert zu werden sowie Zweifel über den Nutzen meiner Bemühungen versus der unermüdlichen Hoffnung doch etwas bewegen zu können, für die Kids da sein zu können, wenn sie mich brauchen! Aber brauchen sie mich? Versunken in diesem Teufelskreis von Irrungen und Wirrungen verbrachte ich etliche Stunden in Meditation und das ein oder andere Mal am Rande eines Nervenzusammenbruchs… Ich glaub, dieses Stimmungstief könnte ich gegebenenfalls zu Hause ausgelassen haben – “TUT MIR LEID!” an dieser Stelle… Ich weiß, dass ichs euch nicht immer einfach mache! :( ich versuch mich zu bessern! Naja – mittlerweile aufgrund einiger kleinen zwischenmenschlicher Erfolgserlebnisse und dank Juan Enrique, der in der Reunion von dem Jahrezehnte langen, oftmals aussichtslos wirkenden Kampf um die Schicksale der Schützlinge und die etlichen Rückschläge, die wir einzustecken haben, berichtete, gehts mir jetzt schon deutlich besser. Obgleich noch nicht alle Zweifel eliminiert zu sein scheinen! Ein bisschen hab ich glaub ich noch auszutüfteln – Schritt für Schritt!

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auszeit – time out – entre tiempo

Hallöchen :D hier im Bus heim nach Lima sitzend (naja jetzt nicht mehr, aber am Sonntagabend), finde ich endlich mal wieder Zeit mich bei euch zu melden. Die letzten Tage beziehungsweise 2 Wochen waren einfach megaanstrengend und die Nächte nie länger als 4-5 Stunden lang :( Morgens um 6 Uhr aufstehen und Nachts um 2 schlafen gehen schlaucht schon ein wenig :P Vor allem auch, weil die Köchin – Big Mama – die letzten 10 Tage bei ihrem kranken Sohn war und wir hier auf uns allein gestellt waren. Die allgegenwärtige Frage, was es zu Essen gibt und wer denn nun kocht, ging mit der Zeit schon ziemlich auf die Nerven, da es zumindest zu Beginn immer auf mich zurück fiel entweder selbst was zu organisieren oder die Jugendlichen zu nerven, bis sie sich letztendlich bequemt haben… Nach ein paar Tagen jedoch hat Lucy davon Wind bekommen hat (nachdem ich mit nem peruanischen Gericht allein gelassen wurde und es anstatt Hühnchen nachher Hühnchensuppe gab, weil ich nicht wusste, wie’s auszusehen hat – und anstatt mir zu helfen, haben mich die Jugendlichen nachher nur ausgelacht :P ) und es erstmal ne riesen Standpauke über Respekt und Vertrauen gab ;) Tat glaub ich mal ganz gut, denn die darauf folgenden Tage war ich zumindest nicht die einzige, die sich um 6.30 um die Kleineren und das Frühstück gekümmert hat ;) Jetzt ist Big zum Glück wieder da!! —

Vertrauen und Respekt spielen allerdings auch auf die Zwischenfälle hier im Haus an! Zum einen hat Miguel Angel, den Ipod von Zak (im Wert von 200 $), den jener an Yeffri für seinen Tag an der Uni ausgeliehen hat, entwendet und in Lima an irgendeine glückliche Passantin für 20 Soles (= 8 $) verkauft :O Das war schon ein echter Schock und naja mal wieder typisch (scheint auch nicht der erste Vorfall dieser Art gewesen zu sein — wussten wir allerdings nicht), aber das Vertrauen unsererseits in die Kids ist natürlich gebrochen :( “emprestame tu camara” (gib mir deine Kamera) gibts jetzt nicht mehr!! Schade eigentlich oder – denn eigentlich hatten wir ja ein Fotoprojekt begonnen, bei welchem die Kids auch selbst fotografieren lernen sollten :( :P — Zum anderen hat Calin eins der Surfbretter an Shane verkauft, obwohl’s ihm noch nicht einmal wirklich gehörte… Sr. Enrique und Sra. Lucy jedenfalls waren superangepisst, wie die Kids uns Freiwillige ausnutzen und ausnehmen!

Weiterhin gabs ein paar Problemchen mit Ereni, die leider Gottes nach einem Wochenende zu Hause für eine ganze Woche verschwand, bis wir am darauf folgenden einen Anruf vom Polizeipräsidium erhielten. Offenbar war sie im Iquitos, dem Rotlichtviertel, bei ihren Freundinnen gelandet. Gemeinsam raubten sie einen Jungen aus und wurden schließlich verhaftet. Einmal festgenommen allerdings, verliert man hier in Peru all seine Rechte und es bestand sogar die Gefahr, dass sie in eins der geschlossenen Kinderheime oder ins Gefängnis abgeschoben wird. Glücklicherweise kam ihr Sra. Lucy zur Hilfe und sie lebt jetzt wieder mit uns in San Bartolo. Zum Glück; denn die Straße birgt viele Gefahren. Den Tag nach ihrer Rückkehr hat Ereni nämlich plötzlich Blut gehustet, welches, wie der Arzt feststellte, nur vom Rauchen beziehungsweise Inhalieren  kommen kann :(

Außerdem verpasste sie aufgrund ihres kleinen Ausflugs leider auch den Kinoabend, zu dem ich die Kids vor fast 2 Wochen von einer privaten Spende eingeladen hab. Gemeinsam sind wir im Micro zum Kino aufgebrochen, haben dort gegessen und den Film genossen :D Es war echt sooo beflügelnd, alle so glücklich und beschwingt zu sehen und ich nutze die Gelegenheit, die vielen “Gracias”, die ich in Empfang nehmen durfte, hiermit an die verantwortlichen Freunde in Bielefeld weiterzuleiten!! ;)

Naja dieses Wochenende jedenfalls nahmen 5 andere deutsche Freiwillige und ich uns mal ne kleine Auszeit vom Alltagsstress und setzten uns mit Richard (peruanischer Lehrer aus Villa El Salvador) als Reiseführerfür zwei Tage nach Ica, Huacachina, Pisco und Paracas ab – Die Reise begann am Freitagnachmittag in einem hektisch überstürzten Aufbruch, weil ich mich um zwei Stunden in der verabredeten Zeit vertan hatte :P und ohne zu wissen, wohin ich eigentlich musste, brach ich auf gut Glück und mit einer Portion Zuversicht auf den Weg nach Villa El Salvador (eins der ärmsten Viertel Limas) auf. Glücklicherweise war ich mehr als gesegnet, in Lurin an einen hilfsbereiten Microschaffner zu gelangen, der mir sogar noch steckte, im nächsten Bus nicht mehr als 50 Centimos (=15 Cent) zu zahlen (als Gringa, müsst ihr wissen, werde ich nämlich für gewöhnlich gerne übers Ohr gehauen) ;) — Nach 5 Stunden Busfahrt kamen wir schließlich um halb 2 Nachts in Ica an und begaben uns auf die komplizierte Suche nach einer Herberge (nette Menschen auf unserem Weg haben uns auch sogleich vor den gefährlichen Vierteln gewarnt) bis wir letztendlich völlig erschöpft 7 Schlafplätze in einer Absteige fanden!

Am Samstag entspannten wir uns in Huacachina, einer kleinen Wüstenoase in der Nähe Icas, am kleinen Sandstrand der Lagune. Die Wüstensonne brannte auch im frühen Frühling bereits heiß am Schäfchenwölkchen-Himmel und verzögerte die geplante Buggyfahrt durch die Würste sowie das Dünensurfen um einige Stunden, welche wir superrelaxed quatschend – über unsere Erfahrungen austauschend – am Strand und in einer idyllischen Bar verbrachten. In diesen Momenten hab ich mich einfach so unglaublich geborgen und verstanden gefühlt und die offenen Reflexionen halfen mir die neue Lebenssituation auf eine ganz andere Weise zu begreifen; ja sogar zu akzeptieren!

- Vor einigen Tagen hatte ich einen prägenden Traum… An einem verheißungsvollen, sonnigen Sommertag in Bielefeld traf ich durch die Stadt schlendernd auf alte Freunde aus der Gruppe des Parlamentarischen Patenschaftsprogramms, mit der ich 2008 für ein Jahr in die USA gereist bin. Zwar voller Erwartung, jedoch mit einer nicht unbedeutenden Portion Angst berichtete ich von meinem Vorhaben nach Peru zu gehen. Aber war ich nicht schon längst dort? Waren Abschiede und Einleben nicht schon längst überstanden? Bin ich wirklich schon angekommen? Ganz ehrlich? ich glaube nicht wirklich! Die Konfusion im Moment des Aufschreckens zeugt davon :( Vieles hier ist so fremdartig, dass die Zeit – die 6 1/2 hinter mir liegenden Wochen fast traumartig erscheinen. Obwohl ich ja jeden Tag genieße^^ -

In den letzten beiden Tagen realisierte ich – lernte ich also mit Hilfe der interessanten Konversationen in ein paar stillen Momenten das Leben hier WIRKLICH anzunehmen und zu schätzen :D Besiegelt wurde das beflügelte Gefühl durch die Pisco(Schnaps)-probe am Abend :D Mit der halben Wüste in allen Taschen und Umschlägen (anstatt die Düne zu surfen bin ich sie mehr oder weniger gekugelt :P ) besuchten wir zwei Güter – und das zweite war die reinste historische Fundgrube – unglaublich… zahlreiche peruanische Artefakte aus sämtlichen Epochen von der Inka- bis zur Eroberungszeit und einige augestopfte Tiere (u.a. eine Robbe sowie ein Krokodil) verkamen regelrecht gestapelt in der Piscolagerhalle :(

Der heutige Tag wurde unglücklicherweise dadurch überschattet, dass  Isabellas Rucksack auf der Busfahrt nach Pisco und Paracas, einem kleinen Turidörfchen am Pazifik, gestohlen wurde :( richtig schön klischeetypisch!! ;) Und ich habs sogar beobachtet ohne zu realisieren, was vor sich ging: 2 Typen und eine junge Frau tigerten durch unseren Teil des Busses und schienen sich offenbar nicht für einen der unzähligen freien Plätze entscheiden zu können… Ich hab extra meine Handtasche festgehalten, weil mir das irgendwie spanisch vorkam!! Schließlich stiegen sie aus und wir bemerkten leider viel zu spät den Schlamassel! Ansonsten haben wir den Tag eher relaxed in Paracas Karten spielend mit einem erfrischenden “Cusquena” am Strand verbracht und am Abend noch lecker gegessen (bisher war das meine beste Paella – schade Spanien :P ) soooooo… und wie immer kam das beste noch zum Schluss! Mein erster richtiger Kaffee – in dem Fall Cappuccino – seit sage und schreibe 6 1/2 Wochen – tat das gut :D Ein bisschen Europa muss ich mir im Herzen schließlich doch bewahren!!

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Ohne Worte!!

Wie Versprochen melde ich mich wieder aus dem fernen San Bartolo, einem kleinen Städtchen zwei Microstunden südlich von Lima, welches sich gegen ödes Wüstenland und die tosenden Kräfte des Pazifik aufbäumt, und für diese zwölf Monate mir ein zu Hause bietet. Wir datieren den 28. September 2011 – 10.30 p.m. – und ich freu mich jetzt erst mal darauf, euch nach meinem 15-Stunden-Arbeitstag von meinen letzten Eindrücken zu berichten und die Reflexionen der letzten Tage, die leider aufgrund eines grippalen Infektes und der daraus resultierenden Sprachbehinderung verkorkt in mir schlummern mussten :P Fangen wir mal beim Ende an und wurschteln uns so durch die Tage durch damit auch ja keine Logik erkennbar ist…

Heute fing der Tag mit einer überaus freudigen Überraschung an! Nach ungefähr 1 1/2 Wochen Schwänzerei hat Miguel Angel, unser kleines Sorgenkindchen, sich ENDLICH entschlossen, der Schule mal wieder für ein paar Stunden seine Aufwartung zu machen ;) Ich hab mich natürlich sehr gefreut und gemeinsam haben wir uns summend, singend, springend auf den Weg gemacht… Ich hab ja schwer in Verdacht, dass er sich hauptsächlich wegen seines neuen Hundebabys, welches er gestern angeschleppt hat und behalten darf, wenn er wieder zur Schule geht, bequemt hat, aber wen kümmert’s… Nur um mal ein paar Hintergrundinfos zu liefern: die letzten Tage ist er meist entweder gar nicht aufgestanden oder nachher abgehauen, nachdem ich ihn zu Schule gebracht hab… Um der Ursache seines Unwillens auf den Grund zu kommen hab ich ihn eines Morgens, als er sich wiederum weigerte das Klassenzimmer zu betreten, ein wenig ausgequetscht. Obzwar ich nicht weiß, wie viel davon Wahrheit oder nur Ausrede waren, hat mich die Antwort auf meine Fragen doch sehr schockiert. Offenbar hat Miguel Angel (von den beiden Amis auch liebevoll Micky getauft) Angst vor seiner Lehrerin, die augenscheinlich unfähig ist ein Kind, dass obdachlos mit erwachsenen, kriminellen Drogenabhängigen unter einer Brücke gehaust hat, mit Geduld und Respekt zu behandeln und es nicht unterlassen kann, es an zu schreien, wenn es mal aus der Reihe tanzt (auch wenn das öfters passiert!). Klar, dass einem da die Lust am Lernen vergeht oder?? Gerade diese Kinder brauchen allerdings so unendlich viel Zuwendung und Liebe… Da bewirkt Ungeduld wie man sieht wirklich nur das Gegenteil :( — Jedenfalls hab ich mich in diesem Fall an Sra. Lucy gewandt und um Rat gefragt. Auf der einen Seite hat sich sich zwar dem Fall angenommen und mit dem Direktor der Schule gesprochen; mich auf der anderen Seite aber auch gewarnt, nicht zu viel Hoffnung zu investieren! Ich hab jetzt verstanden, dass wir absolut nichts tun können, um Miguel Angel zu seinem Glück zu zwingen… Das einzige wäre höchstens eine nette Lernatmosphäre als Grundvoraussetzung zu schaffen und ihm das Lesen und Rechnen beizubringen, um ihm Erfolgserlebnisse zu verschaffen!! Daraufhin hab ich mich gleich an das Bauen einer Abakus-Rechenhilfe gemacht… Das Grundgerüst ist schon fertig! Außerdem intendiere ich beim nächsten Lima-Besuch ein Buch in seinem Interessengebiet zu besorgen, damit er Spaß am Lesen lernen entwickeln kann!! Ganz nach dem Motto: Hilfe zu Selbsthilfe ;)

Nach dem Mittag machte ich mich also heute auf nach Pucusana, um Englisch zu unterrichten… Die beiden Amis haben sich natürlich schön aus der Affäre gezogen ;) Doch auch wenn ich mal weniger Lust hab, mich auf die doch eher kurze Reise zu machen, werde ich gleich reich durch die freudigen Begrüßungen der lachenden Mädels belohnt! Und nicht nur das… Heute bin ich auch zum ersten Mal Yumi, der Neugeborenen, begegnet!! Total niedlich und verschlafen :D So hätte der Tag fast perfekt enden können, wenn ich nicht nach Hause beziehungsweise ins San Bartolo-Haus gekommen wär und hätte feststellen müssen, dass keiner der Kleinen Hausaufgaben gemacht hat, obgleich zwei Freiwillige den ganzen Tag zugegen waren :P Keine Vorhaltungen oder so – ich sag’s ja nur^^ Dafür hab ich um 9 Uhr Abends noch Dezimalzahlen auf Spanisch gelernt ;) Jede Medaille hat doch zwei Seiten!! :D

Hmm… was stand denn noch so an die Woche… Der Freitag war auch ziemlich “loco”… Wie neuerdings immer, machte ich mich direkt nach dem Mittagessen auf den Weg nach Pucusana. Dort angekommen, traf ich auf eine kleine Armee aufgedrehter Kinder, die beschäftigt werden wollten :O Schmuck basteln schoss es mir wie Kanonenfeuer durch den Kopf, doch wärs im Kriegsgebrüll der Kids fast untergegangen… Nachdem sich auch noch die Köchin verabschiedet hat, war ich nunmehr mutterseelenallein mit 3 aufmüpfigen Jugendlichen, 4 energiegeladenen Kindern, einer quirligen 2jährigen und einer weinenden 1jährigen :O Ihr könnt euch denken wo mir der Kopf stand! Ein Wunder, dass er nicht wirklich zu qualmen anfing. Doch als es dann schließlich auch noch an der Tür klopft waren Hopfen und Malz endgültig verloren… Denn wer steht da vor mir – genau, die Polizei, dein “Freund und Helfer” (naja, hier in Peru trifft es das nicht ganz – an anderer Stelle werd ich hier mal von der Korruption und Brutalität berichten) sowie ein Kontrolleur der Stadtverwaltung, die gerne zur Inspektion hereingelassen werden wollten! Da ich allerdings zu der Zeit die einzige Verantwortliche war, wimmelte ich die drei grimmigen Gesichter freundlichst ab und vertröstete sie mit der Ausrede, dass ich keine Entscheidungsgewalt besäße… Im Nachhinein erfuhr ich, dass dies die absolut richtige Entscheidung war, da eh Probleme mit der Stadtverwaltung vorliegen :P Puuuhh, ist mir da ein Stein vom Herzen gefallen!!

Am Samstag – ohho Riesenüberraschung – haben wir mal wieder Geburtstag gefeiert – den 16. “Quinceañera” (15. und wichtigster Geburtstag im Leben einer Teenagerin) von Kiara, weil er letztes Jahr nicht zelebriert wurde. Mit peruanischer Liveband, die zuvor noch die Theaterproben begleitete :D Doch das eigentliche Highlight des Abends war der Heimweg, die Taxifahrt über die Panamericana. Mit insgesamt 13 Personen inklusive Fahrer quetschten wir uns in einen alten, kleinen, klapprigen 5sitzer Ford und quetschten uns gegenseitig die Adern ab… Doch den Spaß an der Sache konnten die kribbelnden Gliedmaßen keinesfalls trüben, denn jedes uneingeklemmte Körperteil (und wenn es nur der Kopf war) wippte noch im Takt der dröhnenden Musik!! Das war einfach nur genial witzig!! Oder wie Shane grad so schön sagte: “That was just wild!” ;)

Auch die restlichen Tage schwebten irgendwo zwischen Wahnsinn und Wahrhaftigkeit!! Nachdem ich am Samstag das erste Mal mehr schlecht als recht versuchte meine innere Mitte auf einem Surfbrett zu finden, wurde diese auch so gleich aus dem Gleichgewicht gebracht und die Grippe hatte mich fest im Klammergriff! Nach 18 Stunden Dauerschlaf allerdings und jeder Menge Limonentee gings meinem Kopf gleich besser und die Kids haben mir geholfen meine Skate”künste” zu verbessern — ich kann jetzt schon auf dem Board stehen, Kurven auf gerader Strecke meistern und mich den flachen Teil der Rampe kreischend herunter stürzen, um im letzten Moment abzuspringen :P Meinen Surflehrer Yhonny hingegen musste ich leider auf den Tag vertrösten, an dem ich mich wieder im Stande fühle der eisigen Kälte des Südpazifik zu trotzen ;) hoffentlich bald!!

In dem Sinne verabschiede ich mich… Ihr dürft euch in den nächsten Tagen über einen Diskurs über “discriminación en Peru” freuen, zu dem ich mich zu so später Stunde nicht mehr im Stande fühle – zumal ich mich sowieso momentan im Sprachchaos befinde!! Da sind soooo viele Sackgassen in meinem Kopf, die es noch auszubauen gilt :O OMG!! Im Moment ist es beispielsweise äußerst diffizil, die Schleusen der spanischen und englischen Sprachflüsse zu koordinieren — gestern hab ich intendiert etwas auf Spanisch zu Moises zu sagen, jedoch den falschen Hebel betätigt, sodass lauter englische Worte aus meinem Mund quollen ;) Doch als ich mich dann auf Spanisch für die Verwirrung entschuldigen wollte, war der englische Sprachfluss einfach nicht zum Versiegen zu bringen und kam wie Wortkotze unaufhaltsam zum Tageslicht^^ :D Welch Anarchie!! ;)

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Wie ein Blatt im Wind…

…so wirbelt auch momentan das Schicksal durch San Bartolo und stellt die Bude auf den Kopf! Ich wohn jetzt nicht mehr alleine hier, sondern in meiner ersten supermegatollen WG. Gestern sind nämlich zwei Amerikaner angekommen, die hier die nächsten Monate mit mir im Projekt leben werden. Zak und Shane kommen aus der Nähe von San Francisco und sind die lebenslustigen Abenteurer schlechthin :P Gestern hatten wir vor der Haustür auf der Promenade, auf die ich mich sonst nie allein getraut hab, schon ein kleines Treffen mit Johnnie Walker und der idyllischsten Urlaubsatmosphäre überhaupt! Wir haben richtig chillig “spenglisch” gequatscht – so ein Sprachchaos hatte ich lange nicht in meinem Kopf… Jetzt sitzen wir mit Deadmau5 in der Küche und feiern meine Zulassung zum Medizinstudium in Köln!! Der Tag ist sowieso viel genialer geworden als gedacht… Heute morgen gab’s nämlich wiederum Probleme mit Miguel Ángel, der seit Tagen nicht zur Schule gegangen ist und sich mit jedem zofft… Und Streit mit Ereni, die meinte sie würde mich jetzt hassen, weil ich mich gut mit Andres verstehe, den sie nicht ausstehen kann – “wenn du dich mit meinen Feinden zusammen tust, hasse ich dich” – obwohl wir eigentlich am Vorabend eine sehr interessante, bewegende Konversation über ihre Vergangenheit auf der Straße und über die Beziehungen zu ihrer Familie… In jenem Moment war die Brücke zwischen uns beinahe greifbar. Doch, wie ich lernen musste, kann Vertrauen schneller als eine Seifenblase platzen… Gerade bei Ereni, die sehr wankelmütig und unberechenbar ist!! Ein Tag so, der nächste ganz anders; doch glücklicherweise haben sich heute Abend beim Fußballspielen die Wogen wieder geglättet… Immer gut, wenn man sich im selben Team über Siege freuen und Niederlagen ärgern kann! Naja, das wollte ich nur eben erzählen… I’m missing u guys… mucho! :P Bis bald!!

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Lauf, Uhrwerk! Lauf!

Und schon wieder ist eine volle Woche, inklusive meinem 1. freien Wochenende, vergangen – und das im Laufschritt: rechtslinksmarsch… und die Ereignisse überschlugen sich hier regelrecht! Schade, dass ich mir keine Kamera zur live-Übertragung einpflanzen kann :P Es gehen unendlich schöne, viele schreckliche und aber nichtsdestoweniger anregende Momente verloren, weil ich deren Komplexität einfach nicht festhalten kann :( Wären wir bloß schon ein paar hundert Jahren Fortschritt weiter ;)

Dienstag beispielsweise sind Allessandra, Elli, die hochschwangere Merlin und ich mit Ludy (Tochter von Sra. Vicky) nach Mala ausgeflogen, einer Stadt 40 km südöstlich von San Bartolo. Leider hab ich die Busfahrt aus lauter Erschöpfung der verstrichenen Wochen verschlafen. Doch als ich schließlich aufwachte, glaubte ich, immer noch zu träumen, so paradiesisch erschien mir das Grün der Landschaft – welches ich aus der Heimat so sehr vermisse! Lima sowie der vollständige Küstenstreifen wird von tropischer Wüste dominiert; braun-grauer Staub überzieht das felsige Relief und bietet kaum Nährboden für Leben! Doch nur wenige Kilometer landeinwärts erschrecken sich die Ausläufer der fruchtbaren Anden und zeugen von der Diversität des Landes! — Nach einem spannenden sowie entspannenden Nachmittag in dem Landhaus ihrer Familie lud uns Ludy jedenfalls zu einem Snack auf dem Markt ein. Typisch für Peru sind die kleinen Ständchen und Wägelchen, an denen am Straßenrande fleißig gebrutzelt und gebraten wird. Mich auf das kleine, kulinarische Abenteuer freuend, schob ich ohne großen Zweifel die hygienischen Einwände beiseite; die Neugierde musste einfach triumphieren! Leider wusste ich bis zum ersten Bissen nicht recht, um was es sich nun auf meinem Tellerchen eigentlich handelt – bis… ja bis ich die wie Nudeln-mit-Fleich-artig-aussehenden Bröckchen an der knorpelartigen und zähen Konsistenz als gehackte Hühnchenfüße identifizierte :P Die Peruaner haben, müsst ihr wissen, – im Angesicht der Armut jedoch verständlich – eine ausgeprägte Abneigung gegenüber Verschwendung und verwerten z.B. bis auf Federn, Krallen und Kopf das komplette Tier zum Kochen – einschließlich Hals, Füße und einige Innereien. Aus einer Überflussgesellschaft stammend, in welcher man das Stück Fleisch auf dem Teller ja eh nicht mehr als Tier identifizieren kann und die Kinder glauben, dass ihre McDonalds-Burger auf Bäumen wachsen, stieß ich hier also auf völliges Neuland ;) (naja, vielleicht doch etwas überzogen, aber die Idee ist klar oder?) Leider bin ich nicht umhingekommen, alles mal zu verköstigen, um nicht die unhöfliche Deutsche zu sein (muss ja schließlich meinem Botschafterauftrag gerecht werden). Mittlerweile spiele ich allerdings mit dem Gedanken Teilzeitvegetarierin zu werden ;) wenn obwohl der Geschmack immer zum “Reinbeißen” ist, verhindern Konsistenz und meine Fantasie in Kombination leider Gottes den vollständigen Genuss. Tja, andere Länder, andere Sitten!! Was solls; das Essen hier bringt mich eh noch um beziehungsweise die gigantischen Portionen: als “Entrada” gibt es vorzugsweise Suppe oder oft auch Ceviche, was übrigens ganz vorzüglich schmeckt und aus in Limettensaft, Salz, Pfeffer und Chilli mariniertem, rohen Fisch besteht… Der “Segundo” komplementiert sich meistens aus Reis UND Kartoffeln MIT Hühnchen. Echt lecker, aber gefährlich!! Damit ich nicht noch einmal wie ein Pfannkuchen auseinander gehe (meinen Rekord aus den USA – 15kg in einem Jahr – will ich nicht unbedingt anfechten), hab ich mich hier im Fitnessstudio angemeldet. Montags bis Samstags lassen sich wunderbar 1 1/2 Stunden Aerobic, Tanzen, Step und Tae Bo in den freien Vormittag integrieren. Und das beste ist: gleich am 1. Tag lernt ich Karla, meiner 1. peruanische Freundin kennen… Mit 26 ist sie bereits verheiratet und hat einen 8jährigen Sohn – nein, dass ist weder früh, noch ungewöhnlich hier – ich bin einfach nur sehr spät dran! Andauernd werde ich gefragt, ob ich meine Kinder in Deutschland gelassen hätte ;) — Jedenfalls lud mich Karla direkt auf eine Salsa-Fiesta am Samstagabend ein und zusammen mit ihrem Ehemann, Claudio, ihrem Cousin, und ein paar Freunden hat sie mich in einer openair Disko in Punta Negra ins Nachtleben eingeführt! Claudio bot mir auch sogleich Salsanachhilfestunden an, die ich zugegebenermaßen dringend nötig habe ;) An jenem Abend als einzig Blonde im Meer aus schwarzen Haaren hab ich mich nun auch endgültig mit meinem Gringa-Status abgefunden – geht auch gar nicht anders, wenn ich hier in Frieden leben will!! Der Abend war jedenfalls in summa sehr erfüllend und enthielt außerdem eine Einladung für den folgenden Mittag zum Ceviche-Essen mit Karlas gesamter Familie! Bei der Gelegenheit hat ihr Vater – natürlich aus Spaß – versucht mich mit sämtlichen männlichen Familienmitgliedern (sogar dem Opa) zu verkuppeln, um den Weg nach Deutschland zu pflastern ;)

Heute war wieder Reunión in Magdalena (Lima). Schwerpunktlich redeten wir über die Proben des geplanten Theaterstücks sowie die Probleme mit den Mädchen und Frauen in Pucusana. Auslöser der Aufregung stellte das wiederholte, kurzfristige Verschwinden dreier Mädchen ins Rotlichtviertel. Aufgewachsen mit und geleitet von dem Ideal des schnellen, “leichten” Geldes fallen sie immer wieder in alter Gewohnheiten zurück. Das ist echt schrecklich mit anzusehen :( Und das Schlimmste ist, dass sie es sich selbst nicht eingestehen und immer wieder Ausreden suchen!! Das wäre nämlich der erste zu erreichende Schritt, um Samen in fruchtbaren Boden streuen zu können… Allerdings scheinen an dieser Stelle noch ein ganzer Guss psychologischer Gespräche zu fehlen!! Da hilft nur eins Geduld (sowieso die Geheimwaffe, der Superdünger schlechthin ;) …)

Ach ja, fast hätte ich vergessen zu erzählen, dass ich jetzt endlich meinen Arbeits- und Projektplan ausgearbeitet habe:

  • 7:00-8:30 Kinder wecken (ein einziger Kampf), gemeinsam Frühstücken und zur Schule geleiten und ungefähr hunderttausend “no quiero”s (“ich will nicht) aushalten :D
  • Freizeit, sprich Sport bis 10 ;)
  • dann kommt die 1. Projekteinheit mit den Älteren
  • nach dem gemeinsamen Mittagessen anschließend die 2. Projekteinheit mit den Jüngeren – Dienstags und Donnerstags in San Bartolo & Mittwochs und Freitags in Pucusana…
  • Montags fahr ich nach dem Mittag zur Reunión
  • Samstag und Sonntag sind individuell zu gestalten – einen Tag davon hab ich frei und guck nur ab und zu mal im Projekt vorbei :D

Auch meine ersten Projektideen haben mittlerweile Gestalt angenommen.

  • In San Bartolo initiiere ich ein Fotografie- und Videoprojekt mit den Kids. Anfangen werde ich mit einer theoretischen Einheit über Perspektiven Winkel und Kameraführung, um dann die Schnappschüsse die ich bereits gemacht habe zu vervollständigen, einige Videos vom Surfen und Skaten zu machen und sie schließlich zu einem Werk zusammenzusetzen. Die Kids haben nämlich unheimlichen Spaß daran, sich selbst bei ihren Künsten zu beobachten :P Außerdem bauen wir aus Holz Bilderrahmen, damit die Kinder ihre Zimmer mit Bilder dekorieren können. Doch neben dem funktionellen Effekt erhoffe ich mir zudem die Förderung der Selbstwahrnehmung und Persönlichkeitsentwicklung :) Weiterhin unterstütze ich gerade die Nachmittagsgruppe bei den Hausaufgaben und bereite gerade eine Grundlage für eine Deutschstunde vor!
  • In Pucusana setze ich das dort von der ehemaligen Freiwilligen eingeführte, erfolgreiche Schmuckprojekt fort und etabliere Englischstunden… Die Menschen hier sind nämlich nicht außerordentlich englisch-begabt :P
  • Außerdem hab ich versprochen, sobald wie möglich mit den Kids ins Kino zu gehen, Sushi zu machen und zu backen!

Ich hoffe mal, dass sich diese Pläne nicht so weit durch das Theaterprojekt aufschieben!! Natürlich werde ich euch auf dem Laufenden halten, wie sich die Lage weiter entwickelt… :D Ich freue mich, dass ihr immer noch am Ball bleibt und euch für meine Erfahrungen interessiert!!

Eure Sarah :)

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Eine ganze Riesengebirgskette von Eindrücken

… und viel Stoff zum Nachdenken! Denn in den letzten Tagen überfluteten mich hier die bewegenden Momente und prägenden Eindrücke nahezu tsunamiartig :O

Ergo habe ich mich entschlossen meinen heutigen Bericht etwas aufzufächern, um auch in meinem Kopf mal ein wenig “Klarschiff” zu machen.

Vol. I: Unverhofft kommt oft – Mein erster Tag “auf der Straße”

Obgleich der Tag recht unspektakulär begann, nagte am Freitagmorgen schon eine gewisse Euphorie am Rande meines Bewusstseins… Vielleicht waren es die Sonnenstrahlen oder aber auch die Antizipation der folgenden Ereignisse. Jedenfalls kam ich gut gelaunt im Projekt an und fügte mich ins gemächliche Treiben eines ruhigen Tages ein. Da für die meisten heute keine Schule stattfand, musste natürlich eine andere nützliche Beschäftigung herhalten— da David, der unglaublich handwerklich und technisch begabt ist, sowieso mit dem Schnitzen der Finne für sein Surfboard beschäftigt war, gesellten Ereni und ich uns dazu um eine Schmuckschatulle für ihre Ohrringe zu kreieren. Bedingt durch die grausamen Erfahrungen, die sie in ihrer Kindheit und Jugend erlitt, ist mit ihr der Umgang manchmal etwas schwierig, doch an jenem Tag beziehungsweise während jener Minuten schien sie kaum ihren gewohnten Schutzschild zu tragen, was meine Stimmung natürlich weit über den Siedepunkt getrieben hat :D

Und plötzlich kommt die frohe Botschaft, dass ich mit zum Geburtstag von Luz Estrellas ins Problemviertel Rímac darf, in Form von Karla, der Psychologin von Generación, zur Tür hereinspaziert! So kam es nun, dass ich an diesem Tage, die andere — nicht-touristische!! — Seite des historischen Zentrums Lima kennen lernen sollte. Nachdem Karla mich am Plaza Mayor Klea übergeben hatte, zogen wir mit Josselyn und Candy, zwei sehr jungen Müttern, los, die Geburtstagstorte zu erstehen und über den Río Rímac zu dem Dormitorium zu gelangen, in dem das Geburtstagskind mit ihrer Familie in einem 5m² kleinen Räumchen haust. Obgleich die verträumten, antiken Fassaden zumeist schon ihren einstigen Glanz verloren haben, wissen sie gut das Elend dahinter zu verbergen. Nur bei genauerem Hinschauen zeugen Schmutz, Zerrüttung sowie Verkommenheit von den Zuständen und lassen das Bild dahinter erahnen. Doch selbst die Vorahnung bewahrte mich nicht von dem Schock, der mich im Angesicht der Realität ereilte :( Mir fehlen nahezu die Worte, um das zu beschreiben: Hinter einer verrosteten, verrotteten Tür erstreckte sich eine dunkle, schmutzige, enge, marode Treppe in den ersten Stock des Gebäudes. Der Flur der sich dahinter erschloss war ebenso dunkel, schmutzig, eng und marode und wurde von teilweise mehr oder weniger provisorischen Türen gesäumt, hinter denen die oben genannten Schlaf-, Koch- und Wohnzellen der “Familien” beziehungsweise Wohngemeinschaften liegen. Wie einsame Soldaten stehen sie dem Eindringling Spalier!! …und überall wuselten die dort lebenden Kinder herum; begrüßten uns herzlich und interessiert. Klea, die ja die verantwortliche Sozialarbeiterin auf der Straße ist, natürlich besonders, aber auch ich hab mich wie eine Freundin aufgenommen gefühlt. Ruben – Anfang 20, sehr weltgewandt, etwas verrückt, jedoch sympathisch – hat es sich gleich zur Aufgabe gemacht in die Gemeinschaft zu integrieren, mich über meine Herkunft und mein Leben ausgefragt und von seinen unzähligen, multikulturellen Bekanntschaften zu erzählen… Da er außerdem sehr offen mit seiner Lebenssituation umgegangen ist, konnte ich ein paar Details über die Lebensumstände in den Dormatorien heraus kitzeln: während der Hochkonjunktur leben schon mal 50 Menschen auf dem einen Flur zusammengepfercht. Des Nachts finden beispielsweise des öfteren Freunde Unterschlupf, die gar kein Dach über dem Kopf haben… Das ist schon echt verrückt!! Aber das verrücktest ist überhaupt: dass man sich arrangiert!! Da wir zu viele Gäste waren, haben wir nicht alle in dem Zimmerchen Platz gefunden. Na und; dann wurde die Feier halt zur  Hälfte auf den schmalen Flur verlegt, Kuchen und Snacks herum gereicht :P Zum Schluss hat Ruben mich noch angewiesen, meine Jacke über meiner Tasche zu schließen – sein geschultes Auge hat mich wohl als potenzielles Opfer identifiziert – und uns damit im Anbruch der Dunkelheit “auf die Straße” entlassen. Der Weg durch die Viertel war vielseitig, informativ und gruselig zugleich. Zum einen hab ich von Klea viel über ehemalige und derzeitige Lebenssituationen der Straßenkinder erfahren: Früher lebten und schliefen sie zu Hunderten auf dem Plaza San Martín (welcher heute immer noch Brennpunkt der Prostitution kleiner Jungen ist :( ) und im Flussbett des Río Rímac. Doch nach dem verstärkten Einsatz der staatlichen Polizei und der stetigen Vertreibung dieser Schandflecken auf der weißen Weste Limas, haben sich die Straßenkinder in die Baracken des historischen Zentrums, nämlich die Dormitorien zurückgezogen… Zum anderen waren die Begegnungen der Menschen im Zwielicht der obskuren Straße wahrhaftig befremdlich. Von weiten ist mir etwa eine auf dem Gehsteig hockende, verschlissene Frau aufgefallen, die sich so tief in der Nase bohrte, dass ich unweigerlich vermuten musste, sie wolle nur mal ertasten, wie sich das Gehirn so anfühlt :P Jap, und ausgerechnet diese Frau entpuppt sich als die Mutter von einem in Pucusana lebenden Mädchen. Doch wirklich erschütternd war die Erscheinung ihres Bekannten, welcher während der Konversation erschien mit seiner Tüten Süßigkeiten um uns herum tänzelte,  sodass ich erst dachte, er wolle uns etwas verkaufen. Stattdessen allerdings streckt er mir seine Hand entgegen und hält mir seine Wange für den perutypischen Begrüßungskuss hin… Leider ließ es sich der schleimige Körperkontakt aus Höflichkeitsgründen nicht vermeiden und ich bin einfach wahnsinnig froh nicht herpesanfällig zu sein :P ;) Wer jetzt glaubt, das wär schon alles gewesen, hat sich leider geschnitten… Ich dreh mich jedenfalls mangels einer Rückendeckung einen Moment um, damit ich den schmierigen Gruseltypen nicht aus den Augen verlier… Da stülpt er sich doch glatt eine Tüte über Mund und Nase, um 3 Mal tief zu inhalieren. Naja, ihr könnt euch ja denken, was das war :O Das war der Moment, in welchem ich das erste Mal den widerlich süßlichen Gestank, der uns durch das Viertel begleitet hatte, zuordnen konnte :P :/

Da stand ich also; mitten auf der Straße, mitten in einer inneren Krise, welche nicht gerade von den allabendlichen Magenproblemen, die leider unter Freiwilligen sehr verbreitet sind, begünstigt wurde :P Oder anders gesagt: ich stand mitten in Lima, mehr oder weniger unter Schock, hab mich tierisch geekelt und musste eigentlich tierisch dringend mal für kleine Mädchen ;) Schade nur, dass der Micro anschließend 2 Stunden über die größtenteils unbefestigten Straßen nach Hause hoppelte :D

Vol. II: Kuchen mit Sahnehäubchen

DER KUCHEN: Samstagabend waren wir auf der Geburtstagsparty von Sandy (Pucusana) und David (San Bartolo) eingeladen. Gute Laune, laute Musik, mächtige Speisen (vor allem unheimlich süße gekaufte Torte :( ich vermiss Mamas Backkünste) und Salsa – mehr gibts eigentlich nicht zu sagen!! Diese Stimmung wurde im Grunde für heute konserviert und gemeinsam mit noch mehr Torte wieder aufgetischt ;) , um Davids Geburtstag mit seiner Familie zu feiern…

SAHNEHÄUBCHEN I: war die erste Skypesession, die ich heute mit meinen Liebsten einlegen durfte, weil ich nun endlich Internet habe :D :D :D

SAHNEHÄUBCHEN II: Kriegsrat im Projekt!! — eine unheimlich interessante, informative und vor allem hitzige Diskussion über das Streben nach Glück und Frohsinn sowie die Situation der Kinder auf Limas Straßen, die mir einige tiefere Einblicke in die Geschichten einzelner Kids ermöglicht hat. Ursprüngliches Thema: das anstehende Treffen Isaacs mit dem Minister für Arbeit! Folgend: Erlebnisberichte einzelner Kinder über ihre Erfahrungen auf der Straße! — Vor allem Josue, der Jüngste und Zierlichste, hat mich an dieser Stelle mit seinen lebhaften Schilderungen und der weittragenden Bedeutung seiner Worte überrascht… Vor allem eins hat sich mir eingebrannt und mir ne fette Gänsehaut verpasst: “Ich bin immer in den Bussen singen gegangen und einmal hat mich eine Dame beschimpft, warum meine Mutter mich denn so ausnutzen würde. Dabei WOLLTE ich meiner Mama einfach nur HELFEN, damit wir Essen haben, weil sie auch krank war!!” (frei übersetzt) Wie im Artikel vom 5.09. erklärt, kommt in diesen einfachen Worten die weitreichende Bedeutung und Notwendigkeit von “Kinderarbeit” zum Tragen und es wird, leider Gottes, unverblümt erkennbar, wie sehr schon die Welt der Kleinsten vom Geld und dem Kampf ums Überleben bestimmt ist!! Dabei hat doch eigentlich jeder das Recht auf eine Kindheit und gesunde Entwicklung oder!?

Allerdings wird mir hier jeden Tag, jede Minute, jede Sekunde bewusster, wie die Realität beschaffen ist. Als hätte ich vorher einen Schleier getragen, der sich nun allmählich etwas lichtet und den Schemen, Konturen verleiht…

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Langsames Einleben

Hallo ihr Lieben :)

In den letzten Tagen ist hier wenig los gewesen… Diensttag und Mittwoch hab ich beide in San Bartolo verbracht. Um 6 Uhr klingelt der Wecker, damit ich um 7 mehr oder eher weniger putzmunter die juengeren Kids aus dem Bett schmeissen kann!! Das ist echt jedes Mal ne Tortur, weil die meisten sich erst an einen geregelten Alltag gewoehnen muessen. Wenn es dann alle zum Fruehstueckstisch geschafft haben, nehmen wir den Kampf mit den 3 Katzen auf (ab und zu fliegt naemlich mal “aus Versehen” ne Scheibe Wurst runter und das Gebettel hoert einfach nicht auf…) echt nervig! Naja, danach begleite ich die Kinder zur Schule – soweit so gut, aber der Rueckweg ist ab und an echt unangenehm, weil die ganzen Kerle einfach nicht aufhoeren koennen zu pfeifen :P nerv!! Ich bin hier im ganzen Dorf die einzige Blonde und komm mir ein bisschen wie im Zoo vor. Man aendert echt seine Gewohnheiten: moeglichst unauffaellig kleiden und den Kopf gesenkt halten – dann gehts einigermassen! Aber das scheint nicht nur mir zu ergehen, sondern auch den peruanischen Frauen… Klea jedenfalls meinte, dass sie sich schon daran gewoehnt hat :P Wir werdens sehen!! Endlich im Haus angekommen hab ich zum Beispiel den Groesseren, die erst Nachmittags zur Schule muessen, weil es nicht genug Schulplaetze gibt, Kniffel beigebracht, bin zum Fotos machen mit zum Surfen gegangen (das lern ich erst wenn hier etwas waermer ist) und heute hab ich fuer alle Spaghetti Bolognese gekocht :D Nachmittags mach ich dann Hausaufgaben mit den Juengeren und spiel mit ihnen… Heute allerdings bin ich nach dem Essen mit Klea nach Pucusana gefahren – zum Volleyball und mit Kloetzen sowie Welpen spielen ;) Und Rosita lernt gerade laufen! Das ist sooooo goldig, wenn sie mit ihren kleinen Tappsern herumtorkelt!! Das hat auch mehr oder weniger fuer die Enttaeuschung entschaedigt heute nicht nach Lima zum Internetkaufen fahren zu koennen, damit ich bald endlich skypen kann :O nen bisschen Heimweh hab ich naemlich :P oder auch ein bisschen mehr ;) deswegen freu ich mich auch immer ganz doll ueber eure Nachrichten und Kommentare, ihr Lieben! Ihr wisst gar nicht, wieviel Kraft mir das gibt zu wissen, dass in Deutschland meine Rueckendeckung wartet ;)

Also DANKE VIELMALS, dass ihr fuer mich da seid!!

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Reunión en Lima

Huhu :P

Ich bins nochmal; schon wieder, aber nur kurz! Heute hat naemlich die besagte montaegliche Reunión in Lima stattgefunden! Heutiges Thema war die Planung des baldigen Treffens mit dem Ministerium fuer Arbeit. Im Namen der arbeitenden Kinder und Jugendlichen will Generación fuer deren Rechte auf dem hiesigen Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft der Erwachsenen eintreten! — Hmm, Kinderarbeit ¿? Hab ich vor ein paar Jahren auch noch gedacht… Ist das nicht eigentlich was schlechtes? Ist das nicht eigentlich Ausbeutung? Gehoert das nicht eigentlich verboten?

Meine Antwort heute:

JA und NEIN; NEIN und JA!! Warum fragt ihr euch? Darum: die Kinder, die hier in Lima auf der Strasse leben, tun dies hoechstens von der Hand in den Mund… Das Leben verschenkt nichts, besonders nicht an die niñez callejera! Stattdessen ist es unstrukturiert und hart, von Vernachlaessigung, Drogen und Gewalt bestimmt. Arbeit hingegen bietet den Kindern und Jugendlichen einen strukturierten Alltag und den Stolz des eigens verdienten Geldes! Wenn sie aber nicht arbeiten duerften, wo kaeme denn dann das Geld her – liegt ja schliesslich nicht auf der Strasse! Genau… sie muessten es stehlen! Und wollen wir das? NEIN!!

Auf der anderen Seite duerfen wir natuerlich nicht die Augen vor der bestehenden Ausbeutung und Versklavung verschliessen… Stattdessen ist es wichtig, die arbeitenden Kinder und Jugendlichen zu unterstuetzen, strukturieren und organisieren, damit diese fuer ihre Rechte einstehen koennen!! Und genau dies ist eines der Hauptziele von Generación… Und stattdessen ist es wichitg, Kinderarbeit zu einem gewissen Grad (unter humanen Bedingungen natuerlich) zu legalisieren, damit Kontrolle stattfinden und eben keine Ausbeutung und Sklaverei entstehen kann!! Deshalb: JA, unkonntrollierte Ausbeutung gehoert verboten!

Doch das war nicht das einzige Zwilicht fuer heute… Im Anschluss hab ich mich mit Isaac, dem Vertreter aller arbeitenden Kinder, und Klea in eins der aermsten Viertel aufgemacht… Und ich war echt froh, die beiden bei mir zu haben!! Ein Bild hat sich mir zwischen dem ganzen Muell, den wilden Hunden und dem Getummel auf der Strasse besonders eingepraegt: wir machten uns grade auf den Heimweg als ich aus dem Mirco heraus die Hektik der Stasse beobachtet hab – mitten in der hastigen Eile sass komplett isoliert ein Teenager, verdreckt und voellig benommen, mit seinem Kopf im Schoss am Strassenrand… Und just in dem Moment schaut er langsam auf – mich direkt an beziehungsweise durch mich hindurch!! Das war sooo schaurig! Und ich hab mich in dem Moment irgendwie geschaemt! Wie kann es sein, dass es mir gut geht und soviel Glueck im Leben hab, wenn Menschen vor meinen Augen leiden muessen!? Das kam mir in dem Moment einfach zu ungerecht vor! Womit hab ich diese Privilegierung meiner Geburt verdient? GAR NICHT!! GENAU………

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